Am 21.12.07 machte ich mich mit Klaus zum letzten Mal in diesem Jahr auf nach Wolin – zum einen um den von uns betreuten Familien zum Fest eine Freude zu machen und natürlich sehr wichtig, den Transport der Glücklichen zu organisieren – was sich allerdings als ziemlich schwierig herausstellte, in Polen laufen die Uhren offensichtlich anders...    

Michael hatte sich bereit erklärt, die Hunde zu fahren.

Nach Berlin mußte Amor, zu Gudrun nach Leipzig eine kleine Hündin, nach Köln zur Orga SOS weiße Schäferhunde der Tino und endlich in sein Zuhause in Luxenburg, Misiu. Danach sollte Michael auf dem Rückweg in Bad Camberg reichlich Sachspenden und Futter abholen. Obwohl wir am Abend vorher alles akribisch durchsprachen, ging das Chaos bereits am nächsten Morgen los. Michaels Auto war mit unseren Plänen nicht einverstanden und weigerte sich standhaft anzuspringen. Erst Stunden später gelang es die verd……… Karre zum Laufen zu bringen und endlich konnte er los.


So kalt war es...........
Kalte Dezembertage in Polen


Nun düste Michael ins Tierheim um die Hunde abzuholen, als er schon längst unterwegs Richtung Deutschland war, stellten wir fest, daß sie ihm im Tierheim einen falschen Hund mitgegeben haben. Also Michael fluchend wieder zurück und Hunde tauschen, mittlerweile hatte er schon sechs Stunden Verspätung, aber es sollte noch „besser“ kommen. Bis Berlin, wo er Amor in seine Pflegestelle brachte, lief alles reibungslos, aber danach ging auf der Autobahn gar nichts mehr. Gudrun, die ihre kleine Hündin in Empfang nehmen wollte, saß bereits seit Stunden im Stau – Vollsperrung wegen eines schweren LKW Unfalls – Michael stand auf der anderen Seite. Irgendwie trafen sich die Beiden dann doch noch und Michael erreichte auch in den frühen Morgenstunden Köln und endlich konnte Tino aus dem Auto raus. Michael wurde sehr freundlich empfangen, konnte sich ausruhen, Misiu brachte er erst am nächsten Tag nach Luxenburg. Meine Nerven in Polen lagen nun blank, alle Termine mußten geändert werden und ich machte mir Sorgen wegen der Hunde, die nun schon fast 20 Stunden (!) im Auto waren. Aber es nützte ja nichts, ich konnte es nicht ändern.

Wir waren auch nicht untätig, besuchten unsere Familien, dort war die Freude über die Geschenke riesengroß. Da die von uns versorgten Familien, dank zahlreicher Spender, in den letzten Wochen bereits großzügig mit Sachspenden und Kinderkleidung eingedeckt wurden, haben wir uns überlegt, zu Weihnachten Lebensmittelpakete zu machen. Diese Idee schlug ein wie eine Bombe, sprachlos schauten die Leute auf die mit Lebensmittel und Süßigkeiten vollgestopften Kartons – es floß so manche Träne. So sahen die Pakete aus.

Die Weihnachtspakete

Obwohl ich es so lange wie möglich hinauszögerte, mußten wir doch noch ins Tierheim und davor hatte ich regelrecht Angst. Es war bitterkalt, hatte bereits tagsüber -10 Grad, diese abgemagerten und schlecht versorgten Tiere leiden unsäglich. Mit steifgefrorenen Gliedern stapften sie mir entgegen, hatten vor Kälte kaum Kraft zum bellen, es war fürchterlich. Nun waren auch die rostigen Wassernäpfe, soweit vorhanden, eingefroren.

Eingefrorener Trinknapf

Ich besorgte im gemütlich geheizten Büro heißes Wasser um das Eis zu schmelzen, die Hunde machten sich halb verdurstet darüber her. Ich werde es nie verstehen, wie Menschen so grausam sein können……….


Aufgetauter Trinknapf


In einem Zwinger stand zitternd ein kleiner Hund, mit ganz kurzem Fell, der nur noch elendig wimmerte – da war es um mich geschehen. Kurzerhand rief ich Alexandra an. Alexandra habe ich unlängst in Polen kennengelernt, sie ist eine Deutsche, die dort lebt, sie hat mir angeboten, ich könnte jederzeit einen Notfall zu ihr bringen. Der Kleine war ein Notfall und Alexandra sagte sofort ja. Der Kleine (wir nannten ihn Paris) wurde in eine Decke gewickelt und mit quietschenden Reifen ging es ab zu Alexandra.

Paris, der kleine Stinker wurde erstmal gebadet und er schlug sich den Bauch voll, so etwas haben wir noch nie gesehen.

Paris, nach dem Wannenbad


Paris, bei Tisch

Paris, auf dem Arm

Ich war auch sehr froh, aus dem Tierheim raus zu sein, es war schrecklich, Fotos habe ich auch nicht viele gemacht, was sollte ich auch fotografieren – frierende, leidende, unterernährte Hunde? Die Hilflosigkeit, die einem befällt, ist makaber. Mit Alexandra`s Kindern verbrachten wir einen schönen Nachmittag, auch sie bekamen eine Geschenkkiste und die Bären ließen sie nicht mehr los.


Die

Klaus und ich machten uns langsam wieder auf den Heimweg, währenddessen quälte sich in Deutschland Michael immer noch durch den Weihnachtsstau. Er transportierte auch noch zwei Notfallhunde nach Nürnberg, als dort ein Schneegestöber einsetzte. Michael bekam es mit der Angst zu tun, weil seine Reifen wohl nicht die Besten sind und machte sich auf nach Hause. An Heiligabend stand er bei mir in Berlin reichlich genervt vor der Tür und war froh, alles einigermaßen heil überstanden zu haben – fast 3.000 Kilometer hat er in drei Tagen hinter sich gebracht, die Hunde sind alle gut angekommen.