Der Tagesreise nach Stettin war eine mehrwöchige Planungsphase vorausgegangen - es ist gar nicht so einfach über Landesgrenzen hinweg alle Beteiligten zu koordinieren. Mit Freitag, dem 22. August war dann der richtige Tag gefunden - die Tierklinik des Stettiner Tierschutzvereins hatte uns den Tag quasi exklusiv reserviert.

Morgens um kurz vor 7:00 Uhr war dann Martinas Gartenhäuschen in Bergfelde erster Treffpunkt. Kiwa (ehemals Pünktchen) wurde von Christel vorbei gebracht, Ben und ich trafen ein und nach einem stärkenden Kaffee ging es dann - fast pünktlich - um kurz nach acht Uhr los. Nächster Treffpunkt war die Raststätte Bernau-Süd, dort wollten wir Jana mit Ferdi abholen. Wie sich dann vor Ort rausstellte, gibt es keine Raststätte Bernau-Süd. Jana hatte trotzdem den passenden Treffpunkt gefunden - sie wartete auf dem Parkplatz vor dem "Freßnapf". Schon im langsamen Vorbeifahren entdeckte Ben seinen "Erzrivalen" Ferdi und fing an im Auto zu toben...

Inzwischen war uns klar, daß wir den Termin um 10.00 Uhr in Stettin wohl nicht mehr so ganz einhalten können würden. Martina tat trotzdem alles, um möglichst pünktlich anzukommen. Gott sei Dank war die linke Fahrbahn für uns freigehalten worden. Direkt hinter der polnischen Grenze trafen wir dann Alexandra, die dort schon - sehr geduldig - auf uns wartete. Gemeinsam ging es dann, mit inzwischen drei Autos, weiter rein nach Stettin, auf der Suche nach der Tierklinik. Diese liegt an einer großen Ausfallstraße an der entgegengesetzten Seite der Stadt.

Um halb elf kamen wir dann endlich am Ziel an und wunderten uns über den Betrieb, der dort herrschte. Aus dem "exklusiv reserviert" war eher ein "angemeldet und erwartet" geworden. Nach der Begrüßung lernten wir zuerst Lilly kennen, eine knapp zweijährige, schwarze Labradorhündin, die derzeit aushilfsweise in der Tierklink wohnt und für die dringend ein neues Zuhause gesucht wird. Natürlich kommen wir der Bitte um Hilfe bei der Vermittlung gerne nach.

Lilly, schwarze Labrador Hündin

Lilly, schwarze Llabrador Hündin
Als erstes wurden dann die drei von Alexandra mitgebrachten Katzen kastriert. Die Wartezeit nutzten wir für die Planung weiterer Kastrationstermine (Martina möchte am liebsten das ganze Tierheim kastrieren lassen), den Aufbau eines lokalen Tierschutzvereins in Kamien Pomorski und natürlich zu Small Talk über unsere Hunde. Diese waren mindestens genauso nervös wie ihre Besitzer und zeigten das auch ziemlich deutlich. Ben stänkerte mit Bennie und Ferdi, Ferdi knurrte Arnold an und Kiwa wollte Katzen jagen - von denen etliche frei auf dem Grundstück der Tierklink leben. Langweilig war es jedenfalls nicht.

Warten vor der Tür zur Tierklinik des Tierschutzvereins Stettin

Stettin, Klink des Tierschutzvereins Stettin

Stettin, Klink des Tierschutzvereins Stettin

Als es dann mit den Hunden losging, kam Baks als "Problempatient" zuerst an die Reihe. Beim letzten Termin hatte er das Narkosemittel nicht vertragen. Diesmal wirkte sowohl die Beruhigungsspritze als auch das alternative Narkosemittel. Alexandra saß trotzdem während der OP wie auf heißen Kohlen. Als dann endlich die Tierärztin kam und ein "Alles OK" signalisierte, fiel uns allen ein Stein vom Herzen.

Stettin, Klink des Tierschutzvereins Stettin

Stettin, Klink des Tierschutzvereins Stettin

Zum Aufwachen wurde Baks dann in den Kofferraum von Alexandras Kombi gebracht. Bennie, der als Nächster dran war, durfte seine Narkose auf der Rücksitzbank ausschlafen.
Nummer drei in der Reihe, Arnold, war eigentlich nur zum Röntgen dabei. Da ihm außerdem noch Zahnstein - unter Narkose - entfernt werden sollte, ergriff Alexandra nach längerem Überlegen und unter guter Zurede die Gelegenheit und ließ ihn auch gleich kastrieren. Arnold durfte seine Narkose dann auf dem Beifahrersitz ausschlafen.
Als Vierter kam dann mein Ben an die Reihe, die Beruhigungsspritze wirkte solange bis der kleine Hofhund der Tierklinik meinte, jetzt müßte er seine Inspektionstour unter den Neuankömmlingen machen. Nachdem sich die Aufregung legte, ging es dann schnell mit dem Eindösen und der anschließenden Narkose. Ben bekam als Aufwachplatz den, mit einem Riesenstapel Decken und Handtüchern gepolsterten, hinteren Teil von Martina Auto zugewiesen.
Ferdi hatte währenddessen seine Beruhigungsspritze bekommen und hatte schon bald etwas glasige Augen. Mit vereinten Kräften wurde er dann in den OP getragen. Für ihn stand als Aufwachplatz der Kofferraum von Janas Auto zur Verfügung.
Als Letzte kam dann Kiwa an die Reihe. Und jetzt zeigte auch Martina erstmals Nerven: "Ach, mein Pünktchen, du Ärmste" - Gottseidank ließ sich Kiwa nicht nervös machen und dämmerte nach ihrer Spritze bald seelig dahin.

inzwischen waren sowohl Baks als auch Ben bereits wieder munter und schon wieder halbwegs auf den Beinen. Bennie schlief wie ein Toter seine Narkose aus - was Alexandra so nervös machte, das alle paar Minuten nachgeschaut werden mußte, ob Bennie überhaupt noch atmete. Martina sprach für "ihr Pünktchen" ein Machtwort und quartierte Ben kurzerhand aus dem Auto aus - "der trampelt mir sonst noch auf meinem armen Pünktchen rum...". Ben schwankte also - noch halb beduselt - mit zur Sitzbank vor der Tierklink und stand dort etwas verloren in der Gegend rum.

Wir beschlossen, mit der Heimfahrt solange zu warten, bis auch der letzte Patient sicher aus der Narkose aufgewacht war. Bennie brauchte ziemlich lange, um wieder wach zu werden. Arnold ließ sich ebenfalls Zeit. Baks, Ben und Kiwa wurden ziemlich schnell wieder wach. Ferdi ließ sich ebenfalls Zeit - Jana wurde immer kribbeliger. Als er dann endlich wach war, bedachte er sein Frauchen mit einem Blick, der deutlich sagte: "Wozu war denn das notwendig?"

Um halb sechs ging es dann endlich heimwärts. Erstaunlicherweise stimmte die Richtungsangabe "immer geradeaus" beim Rückweg durch Stettin. Trotz Feierabendverkehr kamen wir gut durch Stettin durch und erreichten die Autobahn problemfrei. Da sich auch der Zoll nicht für uns interessierte, die Hunde durch das gleichmäßige Fahrgeräusch beruhigt schliefen und auch die Autobahn leer war, waren wir nach einer ereignislosen Rückfahrt gegen halb acht wieder am Ausgangspunkt der Fahrt: bei Martinas Gartengrundstück.

Die Hunde und Katzen haben die Kastration inzwischen gut überstanden. Bennie und Arnold brauchten etwas länger, um wieder in die Gänge zu kommen. Baks, Ben, Ferdi und Pünktchen waren bereits am Sonntag wieder ganz gut drauf.

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Wir möchten uns ganz herzlich bei den Kastrationspaten bedanken, die durch ihre Spenden diese Aktion unterstützt haben.

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