Huston, wir haben ein Problem...

Nach den Schreckensnachrichten von Anfang Januar (drei Welpen im Außenzwinger, ein kleiner Hund erfroren, die Schäferhündin Antje aus ungeklärten Gründen gestorben, Rosie tragend) hat bei uns eine hektische Aktivität eingesetzt.

Die Welpen (Coco, Chanel und Minnie) und zwei Kleinsthunde (Mücke und Luna) wurden aus dem Tierheim geholt und in Notquartiere (bei Alexandra in der Auffangstation und bei Anna, einer Pflegestelle im Kamien Pomoroski) unterbracht.

Dann ging es hier Knall auf Fall: für Rosie, die inzwischen hochtragend ist, hat sich eine wunderbare Pflegestelle bei Jessica und Dennis in Castrop-Rauxel gefunden. Mücke hat seinen Platz bei einem netten Renterehepaar in Marl gefunden, Minnie zieht zu den Zimpels nach Gelsenkirchen, Coco hat eine Pflegestelle in Minden.

Unser Hilferuf nach Decken und Ausstattung für das geplante Welpenhaus wurde ebenfalls gehört und eine beständige "Paketflut" brach über Martin Falk ( www.das-besondere-tier.de ) - der uns Lagerfläche für Sachspenden zur Verfügung stellt - herein. Außerdem haben wir noch eine umfangreiche Futterspende erhalten, die schnellstens zu Opa Zerbe mußte - seine derzeit 21 Hunde haben einen gesunden Appetit: unsere letzte Lieferung vom 26.12. war schon wieder alle.

Zwischenzeitlich haben wir dann auch für Bobby, Doty, Flitzer, Sphinx, Bella und Chanel Plätze gefunden. So erfreulich das für die Hunde ist - wir hatten damit dann auf einmal ein echtes Problem: 11 Hunde zu transportieren und vor der Weiterreise hier unterzubringen übersteigt unsere derzeitigen Möglichkeiten bei Weitem. Also mußten wir eine Entscheidung treffen, wer zuerst ausreisen darf: Rosie und die "Truppe", die Cornelia bei ihrer Rückfahrt von Berlin nach NRW mitnehmen und in ihre neuen (End-)stellen bringen kann: Minnie, Coco, Mücke und Flecki.

Abfahrt

Am 24.01. ging es dann morgens mit einem bis unter das Dach vollbepackten Viano (den uns Martin Falk zur Verfügung gestellt hat), los. in der Mitte waren zwei "Schichten" Futter gestapelt, unten das Futter für Alexandra und das Tierheim, oben für Opa Zerbe. Hinten dann die vielen Pakete mit Decken, Bettwäsche, Schlafsäcken, Welpengeschirren, Hundespielzeugen, etc. - die uns erreicht haben.

Spendenpakete im Auto

Bei Opa Zerbe

Jana hat den bis zur Beladegrenze bepackten Wagen sicher zu Opa Zerbe gesteuert. Gott sei Dank waren nicht nur die Autobahnen eis- und schneefrei, sondern auch die "Schleichwege" auf der Halbinsel Wolin. Gegen 12.00 Uhr waren wir dort und konnten einem sichtlich erleichterten Opa Zerbe die reichliche Futterspende übergeben.

 


Futterspende für

Futterspende für

Futterspende für


Nachdem er für seine Schützlinge nun erst einmal wieder Futter hat, bat er dann darum, ob wir jetzt auch für ihn etwas besorgen können: er hätte gerne eine neue Trainingshose und warme, lange Unterhosen. Den Wunsch gebe ich hiermit gerne weiter - wer also etwas Passendes hat und Opa Zerbe zukommen lassen möchte, kann es uns zuschicken.

In der Auffangstation

Weiter ging es zu Alexandra in die Auffangstation. Bei der Ankunft rutschte uns das Herz in die Hose - nicht das übliche ohrenbetäubende Hundegebell, nur ein einsamer Boris meldet uns an. War etwas Schlimmes passiert? Wo waren Saba, Charly, Zorro, Benny, Leo und Misiek, die sonst immer sofort an der Pforte standen und sich über uns freuten?
Die Frage klärte sich bald - Alexandra hatte uns so bald noch nicht erwartet und war ihre Pferde bewegen gegangen - die Hunde durften alle mit auf den Ausritt....

Als kleines "Trostpflaster" konnten wir dafür in Ruhe Mücke, Luna und Minnie, die es sich in der Küche bequem gemacht hatten, begrüßen..

Luna

Luna

 Minnie

Minnie


Sobald Alexandra von ihrem Ausritt zurück war (und nach einer wohlverdienten Tasse Kaffee und der verspäteten Begrüßung der vollständigen Hundeschar) ging es dann los ins Tierheim.

Im Tierheim

Im Tierheim erwartete uns dann das befürchtete, aber gewohnte Bild: neue Hunde und alte Bekannte, alle zusammen auf nassem Beton stehend, bellend und jaulend. Die einen aufgeregt, die anderen verschreckt in ihren Hütten versteckt...

Ganz neu im Tierheim und noch in Zwinger 1 - der Quarantänestation - ist ein kleiner etwa dreijähriger Rüde. Völlig verschüchtert kam er nicht aus seiner Hütte heraus - deshalb ein Bild von "oben herab":
kleiner, dreijähriger Rüde

Kleiner, dreijähriger Rüde in seiner Hütte


Drei Zwinger weiter begrüßte uns Lino - ein alter Bekannter im Tierheim - für den sich aus uns unerklärlichen Gründen noch niemand gefunden hat. Lino ist lieb zu Hunden und Menschen und freut sich über jede Aufmerksamkeit. Alexandra wurde stürmisch und liebevoll begrüßt:

Lino, Jagdhund-Mix

Lino, vierjähriger Jagdhund-Mix


Noch zwei Zwinger weiter stürmte "Manne" auf uns ein, ein mittelgroßer, verspielter Schäferhund Mix. Begeistert über jede Aufmerksamkeit sprang er an uns hoch und war kaum zu bändigen. Jede Sekunde der Streicheleinheiten hat er buchstäblich in sich aufgesogen:
Manne, junger Schäferhund Mix

Manne, junger Schäfi-Mix Rüde

Auf der Rückseite der Zwingeranlage erwartete uns dann ein Elendsbild. Kurz nach Neujahr ist das Herrchen zweier alter Hunde verstorben und die beiden wurden aus der Wohnung ins Tierheim geschafft. Obwohl es Rüde und Hündin sind, haben es die Pfleger nicht übers Herz gebracht die beiden zu trennen. Trotzdem leiden die beiden Alten sehr, Futter verweigern sie seit gut drei Wochen fast komplett - wenn wir hier nicht schnell einen Platz finden, ist ein schlimmes Ende absehbar:

Zwei alte Wohnungshunde
Die beiden Alten, die langsam im Zwinger zugrunde gehen

Und dann ging es mit schlechten Nachrichten weiter. Eher durch Zufall entdeckten wir eine trächtige Schäferhündin - die Pfleger hatten es bisher noch nicht bemerkt. Zu guten Letzt war dann nicht Jule (wie vorher angekündigt) tragend, sondern die im gleichen Zwinger sitzende Kiki:

Kiki, hochtragende Terrier Mix Hündin
Kiki, Terrier-Mix Hündin, hochtragend

Kiki und Jule
Kiki (links) und Jule


Bereits im Zwinger stehend fingen wir an zu überlegen, wie wir zwei weitere tragende Hündinnen irgendwie unterbringen können - im Tierheim haben die Welpen keine große Überlebenschance...

Die letzten Aufgaben im Tierheim waren dann wieder erfreulicher Natur. Wir konnten die reichhaltigen Deckenspenden ausladen, verteilen und noch einen guten Teil als Reserve einlagern.

Nachdem dann Rosie, die separat hinter dem Verwaltungstrakt an einen Baum gekettet war, wohlbehalten im Auto saß, wurde noch Flecki aus seinem Zwinger geholt. Das Anziehen von Halsband, Geschirr und Leine ließ er ruhig und gelassen über sich ergehen.

Flecki wird reisefertig gemacht
Fleckis letzte Minute im Zwinger


Ein letzter Blick auf die offene Zwingeranlage und dann hatten wir den Besuch wieder einmal hinter uns:

Die zwinger 1 bis 5 im Tierheim
Die Zwinger 1 bis 5

 

Bei Anna

Auf Alexandras Bitten hin sind wir auf dem Rückweg nach Kamien Pomorski noch bei Anna, ihrer einzigen echten Hilfe im Ort, vorbeigefahren. Anna hatte sich Anfang Januar spontan bereit erklärt Minnie aufzunehmen und übernimmt jetzt, nach Minnies Ausreise, Luna. Außerdem kümmert sich Anna um verwilderte Katzen. Drei davon hatte sie als "Überraschungsgeschenk" für Alexandra bereits bereitstehen...
Anna, Pflegestelle in Kamien Pomorski

Anna - unsere erste Pflegestelle in Kamien

 

Heimweg

Durch den unerwarteten Besuch bei Anna war es doch später geworden als ursprünglich geplant. Bei Alexandra hieß es dann Mücke aus Mareks Armen zu befreien, Coco und Minnie in ihre Transportboxen zu verfrachten, alle Unterlagen noch einmal zu kontrollieren und dann zügig, aber mit möglichst wenig Geruckel den Heimweg anzutreten.

Anfangs warf Jana alle paar Minuten einen besorgten Blick nach hinten ("Rosie hechelt, jetzt ist es soweit..."), aber nachdem sie eingesehen hatte, daß Rosie (ebenso wir mir) bei 24 Grad im Auto einfach nur warm war, kehrte Ruhe ein. Die Heimfahrt verlief erfreulicherweise ohne Unterbrechungen oder Störungen. Gegen halb zehn abends konnten wir die "Fünferbande" einer sichtlich entnervten Martina ("man hört ja gar nichts von euch - ich habe mir Sorgen gemacht") übergeben.

Das war der erste Teil des Reiseberichts - den zweiten Teil, der von der Weiterfahrt am Sonntag und der Übergabe der Fünf an ihre neuen Familien berichtet, schreibt Cornelia.