Am Samstag den 4. April haben sich Martina, Thomas und ich wieder bei schönstem Wetter auf den Weg nach Polen gemacht. Da das Auto groß genug ist waren auch Katie, Jacky und Martinas Gasthund dabei, ganz abgesehen von einer Menge Futter für Alexandra und Opa Zerbe.
Bei der Ankunft auf Alexandras Hof wurden wir wie immer lauthals begrüßt und in dem ganzen Gewimmel auf dem Hof tauchten auch sofort freudestrahlend Aleandras Kinder auf. Da Alexandra noch kurz unterwegs war durfte sich unsere Bande erst Mal die Beine auf dem "Sportplatz" neben dem Hof vertreten. Natürlich wurde dieses Ereignis von allen heimischen Hunden aus sicherer Entfernung genauestens beobachtet und Janek kam, versteckt unter seinem tollen neuen Cowboyhut, sofort mit einem Eimer Wasser für die Hunde angeschleppt.
Etwas später kam auch Alex, die dann dafür gesorgt hat, das unsere Schützlinge sicher in ihrem von den anderen Hunden abgezäunten Garten ankamen. Bei einer Tasse Kaffee hat sie erzählt, dass der Hof im Moment aus allen Nähten platzt und sie bis sechs Uhr morgens gewirkt hat um Zeit für uns zu haben. Es war vieles zu besprechen - u. a., dass die Gemeinde auf dumm dreiste Art versucht Alexandra zu einem Vertrag zu überreden, der sie und auch den Verein mit Leichtigkeit ruinieren könnte. Es ist eine Schande, dass Gelder an erwiesener Maßen falsche Stellen fließen und wir uns ein Bein ausreißen müssen um zu helfen. Leider sieht es so aus, dass Alexandra keine Förderung bekommt - Politik eben! - und wir können nicht viel dagegen tun.

Ein wirklich anrührender Moment war es Sonjas Welpen zu sehen. Sonja selbst ist eine wunderschöne mittelgroße Hündin, die super lieb ist. Ihre kleine Rasselbande lag friedlich schlafend in der großen Hundehütte - einer mit Zunge raus, ein anderer verschüttet unter seinen Geschwistern die eng aneinandergekuschelt vor sich hin schnarchten. Sonja fand es unterdessen völlig ok, dass Thomas und ich ihre Kinder fotografierten.
Später haben wir noch ein bisschen Mist eingeladen, schließlich sollen auch unsere Blumen gedeien.

Dann war es an der Zeit ins Tierheim zu fahren - dort wartete Diana auf ihre Rettung. Mit Alexandra und Patricia, einem jungen Mädchen das ihr etwas zur Hand geht, haben wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg gemacht. Der Höllenlärm bei der Ankunft schockte erstaunlicher Weise Jacky weitaus mehr als Katie, bei der wir schon befürchtet hatten, dass alte böse Erinnerungen wach werden würden. Jacky setzte ihr hochnäsig abweisendes Gesicht auf und war erstaunlich ruhig. Katie hingegen hopste fröhlich durch die Gegend - Mama war ja da und es konnte nichts passieren.

Diana, die ziemlich abgemagert ist, saß alleine in ihrem Zwinger und konnte gar nicht fassen, das jemand zu ihr hereinkam. Bei unserem Rundgang entlang der Zwinger wurden dann viele alte Bekannte begrüßt. Es war offensichtlich, dass einige Hunde den Besuch erkannten - überglücklich beachtet zu werden zwängten sich die Nasen durch die teilweise so miserabel und lieblos verarbeiteten Gitter und jeder Zuspruch, jede Streicheleinheit wurde aufgesogen wie Wasser von einem ausgedörrten Schwamm.
Wir stellten fest, dass einige neue Hunde da waren und Thomas vermisste Gulliver. Ohnmächtig mussten wir feststellen, dass einige Hunde dringend tierärztliche Hilfe benötigen. Rambo lief auf drei Beinen, bei einem schönen großen Schäferhund scheint ein vereiterter Zahn nach außen durchgebrochen zu sein, Scharek braucht dringend einer Behandlung gegen Flöhe und Milben und bei Bernadette haben wir zu unserem Entsetzten ein dickes Geschwür an der Milchleiste festgestellt.

Im letzten Zwinger der hinteren Reihe haben wir dann Klein-Heidi entdeckt, ein kleines fuchsfarbenes Etwas - zitternd, mit großen angstvollen Augen. Zuerst waren wir nicht sicher, ob sie aus Angst beißen würde - doch das Ende vom Lied war, das Patricia weinend vor Heidis Zwinger hockte, da Heidi alles versuchte um ihr nach draußen zu folgen.
Thomas und Martina hingegen waren geschockt Magnus, einen wunderschönen großen Rüden am anderen Ende der Reihe vorzufinden. Thomas und Alex gingen zu ihm hinein und der sanfte dreifarbige Riese hörte aufs Wort als Alex ihn auf Polnisch zu sich rief und sitzt sagte.

Als wir Diana reisefertig anzogen und -- wie konnte es anders sein -- Klein-Heidi gänzlich ungeplant in die zufällig mitgebrachte Katzenkiste verluden, blutete uns allen das Herz über die vielen Hunde, die wir weiter ihrem Schicksal überlassen mussten. Die Alten und Jungen die inzwischen resigniert haben, die kleinen lebhaften, die immer noch fest glauben, dass sich alles zum Besseren wenden wird. Große und kleine Hunde die aus Bequemlichkeit des Personals keine Körbchen (die vorhanden sind!!!) in ihren Zwingern haben, durch Kot und Urin laufen und das Futter auf dem Betonboden "serviert" bekommen - denn Näpfe bedeuten angeblich zu viel Aufwand.
Ertragen kann man diese Bilder nur, weil man weiß, dass wir zumindestens einigen dieser armen Geschöpfe helfen werden.

Zurück in der Auffangstation bei Alexandra, es war schon fast dunkel, empfing uns Marek am Grill, also blieben wir noch zum Abendessen. Die Hunde saßen gut versorgt im Auto, nur Klein-Heidi hatten wir mit ins Haus genommen. Ein paar Minuten war sie so verschüchtert, dass sie nicht aus der Transportkiste herauskam - doch dann begriff sie plötzlich, dass sie in einer Küche saß und es nach Essen roch. Heidis Wandlung war erstaunlich - das verängstigte zitternde Hündchen veränderte sich schlagartig in ein freundliches, reizend bettelndes Geschöpf, dass offen und unbedarft unter dem Küchentisch die besten Plätze und großzügigsten Esser ausspähte - anderen Hunde und die Katzen waren total unwichtig.
Da Alexandra unmöglich auch noch Heidi aufnehmen kann, hatte sie telefonisch Anna mobilisiert, die kurz darauf freudestrahlend wieder ein Pflegekind zu bekommen eintraf. Irgendwie passen die beiden super zusammen - beide rund und propper - denn nach Annas Behandlung wird Heidis Fell mit Sicherheit floh- und filzfrei sein - erstaunlich rund für ihre Tierheimzeit ist sie.

Nachdem Katze Bella Heidis Kiste bezogen hatte wurde es Zeit den Heimweg anzutreten. Thomas hat sich wieder tapfer ans Steuer geschwungen und wir sind unbehelligt vom Zoll in Bergfelde angekommen. Um Mitternacht herum, nachdem die Hunde versorgt waren, haben wir noch ein paar Fotos gespeichert. Thomas hat sich gähnend auf den Heimweg gemacht und Jana hat noch Katze Bella abgeholt. Da Diana literweise Wasser in sich hineingeschaufelt hatte stand, obwohl sie freiwillig in ihre Transportbox gekrabbelt und dort erschöpft eingeschlafen war, nach dem ersten kurzen Gang noch eine weitere Runde mit ihr an.
Während ich mit Katie gegen zwei Uhr früh müde ins Hotel zurückgefahren bin, hat sich Martina also noch einmal mit Diana auf den Weg gemacht.

Alles in allem haben wir einen schönen und auch lohnenden Tag in Polen verbracht - wir hatten die Möglichkeit zu helfen!

Ein kleiner Wehrmutstropfen ist jedoch, dass gerade der selbstlose Einsatz von Martina und Thomas oft als zu selbstverständlich betrachtet wird - ihr Engagement könnte bedeutend einfacher und unkomplizierter verlaufen, wenn alle ein wenig nachdenken würden. Denn wir ziehen doch alle an einem Strick!!!! Es wäre schon gut wenn alle Beteiligten den hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand der betroffenen Macher nicht unbedarft aus den Augen verlieren und ihnen hierdurch die sowieso schrecklich knappe Zeit für ein Privatleben nehmen.

Zum Schluss ein paar Fotos und eine gute Nachricht - wir werden versuchen Bernadette zu helfen - es darf nicht sein, dass sie elend im Tierheim verreckt.

Viele liebe Grüße an alle und großen Dank an die, die auch diesmal geholfen haben und zur Stelle waren.

Anette mit Katie, Jacky und Benno

Bilder zum Beitrag

Heidi

Heidi

Bolle

Bolle

Bei Magnus im Zwinger

Bei Magnus im Zwinger

Rambo

Rambo

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